Danach

Wenn ich auf meinen Blog schaue, sehe ich, dass bei Woche 4 ein Cut ist.
Ein Bruch.
Und ehrlich gesagt: nicht mal unbegründet, meine lieben Freunde.

Ich weiß nicht einmal, ob ich hier überhaupt so tief ins Detail gehen möchte.
Nur kurz.
Ein paar liebe Menschen hatten ihre Therapie geschafft und sind gegangen. Durften sie natürlich.
Haben alles tapfer durchgestanden.
Nur mich haben sie irgendwie vergessen mitzunehmen.
Also stand ich da.
Etwas verloren.
Etwas leer.
Und irgendwie wirklich allein.

Na gut… ganz allein war ich nicht.
Da war noch dieser Mann auf der Station. Mein letzter kleiner Anker. Tätowiert, sportlich, und ständig mit dem Handy in der Hand.
Ich hätte ihm wirklich ein Handyverbot gewünscht – aus tiefstem Herzen. Wenn du das liest: Ja, du darfst lächeln.
Aber in den Momenten, in denen es einem richtig beschissen ging, waren wir füreinander da.
Still. Unkompliziert. Ohne große Worte.


Trotzdem konnte er mich nicht retten.
Nicht aus dieser Qual der stationären Therapie.
Jeden Abend habe ich mir gesagt: „Morgen früh bin ich nicht mehr da.“
Und jeden Morgen saß ich trotzdem wieder dort.
Bis Tag X kam – mein Entlassungstermin.
Scheiße, war ich froh, als mein Partner mit dem Auto vorfuhr.
10 Wochen und 1 Tag.
Abgehakt.
Zumindest auf dem Papier.

Und dann?
Dann bin ich nach Hause gekommen und habe diese Welt „da draußen“ nicht mehr verstanden.
Gar nicht.
Ich bin nachts aufgewacht und wusste nicht einmal, wo ich war.
Man vergisst, wie Leben funktioniert.
Man vergisst, dass man nicht mehr in der Therapie ist.
Man vergisst, dass Familie da ist – Tag und Nacht, jederzeit abrufbereit.
Und mein lieber Mann, wenn du das liest: Ich bin dankbar. Wirklich.

In der Therapie habe ich alles hinterfragt. Auch meine Beziehung.
Und „Wie in schlechten Zeiten“ trifft es bei uns ziemlich gut.
Ohne Trauschein.
Ich möchte dir hier gern ein Herz stehen lassen.

Und jetzt?
Jetzt stecke ich in irgendeinem Loch.
Dunkel, traurig, und es fühlt sich gar nicht nach Laura an.
„Ihre Aufgabe des Universums“, sagte meine Therapeutin gestern.
„Genießen Sie die Zeit. Ihre Familie. Und lernen Sie neue Routinen.“
Jo.
Ich starte jetzt damit.
Es wird nicht jeden Tag klappen. Oder vielleicht doch.
Natürlich wird es jeden Tag klappen!!!

Und ich werde auch das Schreiben wieder zu meiner Routine machen.
Seht es mir trotzdem nach, wenn ich zwischendurch heulend auf meinem Sofa liege, während sich die Welt weiterdreht und bei mir nur das Gedankenkarussell rotiert.

Ich bin Laura.
Und ich habe verdammt nochmal Energie.
Also pack ich das an.

So.

Tschau Kakao.