Internat
Drei Tage Garten, ein Koffer für zwei Monate, und ich
Ich sitze wieder im Garten.
Beine hochgelegt, Laptop auf dem Schoß.
Im Hintergrund läuft „Conni und die Nixen“ – mein Sohn und ich haben es gestern Abend nicht mehr geschafft. Er war einfach zu müde.
Ich habe noch drei Tage zu Hause.
Und eigentlich möchte ich mich gar nicht wegbewegen.
Ich sauge jeden Sonnenstrahl auf, als könnte ich ihn einpacken und mitnehmen.
In meinem Kopf habe ich beschlossen, dass ich am Dienstag in ein Internat fahre.
Oder auf eine lange Dienstreise.
Oder in einen Selbstfindungsurlaub.
Irgendwie fühlt es sich nach allem gleichzeitig an.
Witzig, oder?
Ich habe mir einen neuen Pyjama gekauft, einen Steamer zum Glätten – Falten kann ich gerade gar nicht mehr ersehen. Außer die in meinem Gesicht.
Gestern war ich noch spontan beim Friseur.
Hausbesuch ging nicht, aber ich durfte nach Ladenschluss kommen. Danke dafür.
Ich möchte in der Klinik nicht wie ein abgefucktes Wrack auftauchen.
Es reicht schon, dass ich zu meiner Naturhaarfarbe zurückkehre und diese Aschfarbe aussieht wie ein grauer Ansatz.
Zwischendurch weine ich. Regelmäßig.
Ich bade mich in Selbstmitleid und weiß gleichzeitig, dass ich es schaffen kann.
Vielleicht werde ich einsam sein. Vielleicht mache ich tolle Bekanntschaften.
Vielleicht, vielleicht, vielleicht.
Am Ende kommt es sowieso anders. Und vielleicht sogar richtig gut.
Habt ihr schon mal für zwei Monate einen Koffer gepackt?
Ich nämlich nicht.
Und ich frage mich ernsthaft, ob das alles reinpassen soll: Wanderkleidung, Badesachen, Kuscheldecke, Glätteisen, Schlüppis, drei Paar Schuhe, Bademantel, Kopfhörer, Laptop … Die Liste ist endlos.
Das Vermissen wird krass.
Aber gerade ist auch das Vermissen nach mir selbst ziemlich krass.
ich habe die Wahl.
Ich fahre ins Internat.
Und eigentlich geht’s in eine Therapie.
Ich packe einen Koffer, aber eigentlich packe ich mich selbst wieder aus.
Laura.