Ich mache es jetzt laut

Hi,
ich heiße Laura. Bin 35 Jahre alt und erschöpft.
Ich schwanke noch zwischen den Diagnosen generalisierte Angststörung, Burn-out und einer Erschöpfungsdepression inklusive Angststörung.
Klingt unerwartet?
Definitiv.
Soll ich das in Welt posaunen?
Ja, fühlt sich für mich irgendwie leichter an.


Mein Leben , als ich es noch laut liebte :
Ich habe zwei Kinder. Eins davon fast erwachsen, das andere noch grün hinter den Ohren. Zu mir gehört noch mein Partner – 11 Jahre Beziehung, noch nicht verheiratet. Ja, das „noch“ ist wichtig in diesem Kontext. 🙂
Ich bin medizinische Fachangestellte in Teilzeit.


Arbeiten, Treffen mit Freunden, Ausflüge planen, Überraschungen machen, Auto fahren, allein sein , laut Musik hören , Familiendinge organisieren , Kaffee trinken gehen, Geburtstage feiern, …  all‘ das habe ich tatsächlich richtig gern gemacht.
Problem?
Vielleicht habe ich – so rückblickend gesehen- alles ein bisschen zu schnell, zu gleichzeitig und zu laut gemacht.
Habe ich es kommen sehen?
Absolut nicht. Die ersten Anzeichen nahm ich noch als „Ich werde bestimmt krank“ wahr.

Erste extreme Schwindelattacke im März 2025. Schön beim Kaffeetrinken mit meiner Freundin. Und tatsächlich hat es mich in diesem Moment vielleicht schon ein bisschen alarmiert, da ich gar nicht der Typ für Schwindel bin. Aber mit ein bisschen Schlaf wird doch alles wieder gut, oder?‘

Und so begleitet mich im März immer mal etwas Schwindel. Nicht schlimm, aber es ließ mich aufmerksam werden. Also dokumentierte ich mein Unwohlsein in meinem Handy.
Im Mai 2025 verbrachten wir meinen Geburtstag nicht zu Hause, da ich nicht feiern wollte. Wir besuchten Freunde in Bayern und verbrachten dort paar schöne Tage. Am 4.5.2025 fuhren wir nach Hause. Und am Steuer bekam ich meine erste leise Panikattacke – zu diesem Moment wusste ich allerdings noch gar nicht, was das überhaupt bedeutete.


Symptome : extremer Schwindel, Hitzewallungen, Herzklopfen, Konzentrationsstörungen, kalte und gleichzeitig schwitzende Hände.


Gefahren bin ich trotzdem weiter. Geht ja bestimmt wieder vorbei.
 Nach 1,5h Autofahrt mit Gedanken wie “ Was war das denn?“ und “ Ich kann nicht mehr weiterfahren, aber ich bin auf der Autobahn und kann nicht einfach anhalten.“  habe ich mich dann doch für einen Fahrerwechsel entschieden.
Und ganz ehrlich? Diese Fahrt begleitet mich bis heute. Es fühlt sich ganz oft noch sehr nah an.

Und so lief das Jahr 2025 weiter.
Ich vergaß die Pin  meiner EC- Karte. Die ist mir auch nie wieder eingefallen.
Ich vertauschte Nummern.
Ich bekam immer mehr Angst vor dem Autofahren – gedanklich.
Alleinsein mit den Kindern löste Unwohlsein aus.
Treffen mit meinen Mädels war mit Aufregung und Herzklopfen verbunden.
Geschlossene Räume, obwohl sie groß waren lösten Gedankenstrudel aus.
Urlaub in Kroatien – keine Entspannung, kein Genießen, immer Angst vor dem nächsten Unwohlsein.
Dissoziation in ganz kleinen Momenten , z.B. beim Unterschreiben auf Arbeit. “ Hey Laura, du unterschreibst hier gerade etwas. Merkst du das?“
Es kamen Magenschmerzen und extreme Nackenschmerzen dazu. Aber Schmerztabletten helfen ja immer gut.

Ich überlegte und überlegte. Brauche ich eine neue Brille? Brauche ich einen anderen Stuhl auf Arbeit? Alles geht man gedanklich erstmal durch.
Ich habe mir sogar eine neue Brille fertigen lassen , die ich im Übrigen heute nicht mal mehr aufsetze, weil ich nicht zurecht damit komme. 😀

Und weißt du was? Es war schon Oktober. Und ich hatte nur mit meinen Mädels darüber gesprochen. Da auch nicht detailgetreu, aber dass irgendwie etwas Seltsames mit mir passiert.
Nur meinem Partner informierte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich schaffe das ja auch schließlich allein – kann ja nicht so schwer sein.
Pustekuchen.
Er fragte sich natürlich, warum ich immer gereizter wurde, kein Auto mehr fuhr und ich auf Situationen anders reagierte. Und in vielen Dinge schlecht anders reagierte.
Und irgendwann im Oktober rückte ich mit der Sprache raus. Es flossen bestimmt 1000 Tränen, weil ich schon die ganzen Monate diese Last mit mir herumtrug.
Ich wurde mit meinen Sorgen mit viel Verständnis, Beruhigung und ganz vielen Umarmungen empfangen.

Die Erleichterung blieb allerdings aus. Der Weg lag ja noch vor mir, und ein Therapieplatz war noch nicht einmal gefunden.
Und wir sind im April 2026 – Therapie begonnen? Noch nicht. 
Termin? Ja, aber nur durch Hartnäckigkeit und ganz vielen E- Mails.

Jetzt ist mein Eintrag doch länger geworden, als geplant.
Jetzt erstmal Pause – Schließlich muss man das Gaspedal auch mal los lassen. 🙂

Laura.

PS: Warum ich blogge? Weil ich will, dass meine Welt wieder laut wird. Und weil ich bereit bin, das auszusprechen.