Schwebe

Isolation oder Konfrontation?

Überall liest und hört man, dass man sein Nervensystem regulieren kann.
„Nervensystem“ ist sowieso DAS Wort für 2026.
Me‑Time, Care‑Arbeit, Mindset lenken, Gedanken überdenken, den Blickwinkel ändern, atmen, entspannen, loslassen – hast du das schon mal alles gleichzeitig gemacht?
Ich schon. Und es bringt mich trotzdem keinen Millimeter weiter.

Mein Nervensystem und ich kommen gerade absolut gar nicht zurecht.
Ist der eine Moment super, kann der nächste Moment schon wieder zu viel sein.
Ist es schön, sich mit einem Menschen zu unterhalten und zu treffen, dann kann der nächste Mensch auf dem Weg schon wieder zu viel sein.
War die Klangschalentherapie letzte Woche wirklich ein Erfolg, war das zweite Mal einfach nur zum Heulen.
Ist die Musik gerade richtig schön, ist sie im nächsten Moment doch wieder zu laut.
Es ist, als würde mein System mich verarschen. Als hätte ich keine Kontrolle über irgendwas.

Ich habe absolut keine Ahnung, was für mich aktuell richtig ist.
Mein Nervensystem wäre im Dauer‑Überlebensmodus. Und kann mir auch einfach jemand sagen, wie MEIN NERVENSYSTEM einfach wieder normal atmen kann?

Ich fühle mich fremd in meinem Körper. Früher wusste ich immer, was gut für mich war, und bin dem auch einfach immer gefolgt.
Jetzt bin ich mit jeder Aktivität unsicher.
Sollte ich mehr schlafen? Ach nee, schlafen kann ich ja nicht.
Sollte ich mehr Atemübungen machen? Mehr Entspannungsübungen?
Sollte ich einfach alles ignorieren und so weitermachen, wie ich es vorher getan habe? Ach nee, geht auch nicht. Ich bin nämlich nach jeder Sache absolut erschöpft, und mein Körper gibt mir komische Körpersignale.
Oder (Achtung, richtig coole Idee )  sollte ich mich einfach isolieren? Darin bin ich schon fast Profi – macht mir aber das Leben und meine Gedanken da draußen noch viel schwerer.

Ich habe mich absolut noch nie so abgetrennt von mir und meinem Leben gefühlt.
Ich bin einfach Zuschauer von dem, was passiert, weil ich es absolut noch nicht lenken kann.
Ich habe noch keine Techniken, auch wenn ich viel lese und mich informiere. Ich habe aber auch tatsächlich nicht jeden Tag die Kraft aufzustehen und zu sagen: „Hey, cool, heute ist ein neuer Tag. Lass mal was machen.“ – dabei müsste ich das aber eigentlich genau so machen.

Und dieses „müsste“ kotzt mich an. Weil ich es nicht kann.

Es gibt drei Tage, die recht gut laufen. Aber es kommen mindestens sieben Tage, die dich wieder runterziehen und du immer wieder denkst, dass du von vorn anfängst.
Das kann doch nicht alles der Ernst sein.

Ich will Ruhe, aber wenn sie da ist, halte ich sie nicht aus.
Ich will Nähe, aber wenn jemand zu nah kommt, zieht sich alles in mir zusammen.
Ich will raus, aber sobald ich draußen bin, will ich wieder zurück.
Es ist, als würde ich ständig gegen mich selbst antreten – und verlieren.

Am Ende versuche ich mir immer zu sagen, dass es sicher alles irgendwie einen Sinn macht und ich ganz stark sein werde und mein Leben wieder lieben werde.
Aber wie lang wird der Weg sein? Und warum hat das jemand für mich vorgesehen?
Ich habe da gar keinen Bock drauf. Ich will nicht „wachsen“. Ich will einfach wieder normal sein.

Vielleicht ist das hier einfach der Punkt, an dem ich gerade stehe.
Nicht stark, nicht schwach.
Nicht am Anfang, nicht am Ende.
Einfach mittendrin in etwas, das ich nicht verstehe und nicht kontrollieren kann.

Und wenn alle sagen: „Das hätten wir bei dir niemals gedacht“, dann denke ich nur:
Ja. Ich auch nicht.

Aber hier bin ich.
Ob ich will oder nicht.

Laura.