22:56 Uhr
Meine erste E‑Mail an eine Psychotherapie zur Terminanfrage schrieb ich am 14.10.2025 um 22:56 Uhr.
Spät abends.
Rückblickend wundert mich diese Uhrzeit überhaupt nicht.
Wahrscheinlich lag ich wieder im Bett mit Angst, Herzklopfen und den Gedanken: „Das kann hier gerade nicht normal sein.“
Wenn ich mein Postfach mit den gesendeten Nachrichten so anschaue, sehe ich viele E‑Mails. Ich habe viele Absagen bekommen, teilweise gar keine Antwort.
Am Telefon wurde ich abgelehnt.
Wundert es mich? Nein.
Es gibt so viele Menschen auf diesem Planeten, die genau dieselben Sorgen haben wie ich. Schade nur, dass keiner Zeit hat, mich an die Hand zu nehmen.
Für mich war aber allein der Gedanke, dass ich mich überhaupt getraut habe, nach Hilfe zu fragen, schon fast ausreichend, damit es mir irgendwie wieder besser ging.
Bis zur nächsten Konfrontation mit der Angst.
Im Dezember probierte ich es noch einmal.
Auch hier alles ohne Erfolg.
Aber ich konnte in der Zwischenzeit organisch alles abklären.
Das sollte man nicht vergessen.
Mein Glück? Ich arbeite selbst in einer Praxis.
Die Überweisungen wurden schnell ausgestellt, die Anrufe flott getätigt – immer mit der Begründung, dass ich selbst medizinisches Personal bin (sonst hätte ich keine Termine bekommen(!)).
Und ruckzuck saß ich im Wartezimmer.
MRT, EEG, Schwindeltest, Blutabnahmen, Gespräche.
Zyklusabhängig? Hormone? Bin ich schon in den Wechseljahren? Eisenmangel?
Man hinterfragt alles.
Jede kleine Veränderung war mein „Das liegt daran.“
Dann kam Weihnachten.
Und ich habe mir die Coronazeit zurückgewünscht.
Einfach zu Hause bleiben.
Niemand sehen.
Ruhe.
Aber das Leben schreibt nicht immer mit mir. Ich habe ja Familie.
Also kämpfte ich mich auch durch diese Tage.
Meine letzte E‑Mail schrieb ich am 5.1.26 mit dringlicher Bitte.
Antwort: Sie können im April kommen.
Ich dachte: „Mega cool. Ich habe einen Termin. Yeah, yeah, yeah.“
Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass im März bei mir die Hütte so langsam zu brennen beginnt und jetzt fast komplett in Flammen aufgeht.
Es ist jetzt an der Zeit – ich kann einfach nicht mehr.
Diese Warterei.
Allerdings – und das muss ich wirklich sagen – fühle ich mich zu jedem Zeitpunkt überall ernst genommen. Gut aufgehoben und gehört.
Die Ärztinnen und Ärzte können nichts für die Wartezeit.
Wenn ich dort bin, dann haben sie Zeit für mich. Und das fühlt sich gut an.
Ich wurde aufgefangen, und mir wird ein Weg gelegt.
Weil ich es aktuell nicht schaffe, allein zu entscheiden, welcher Weg für mich der richtige ist.
Ich habe die schlimmste Zeit meines Lebens – hoffentlich passiert mir nie etwas Schlimmeres – und ich bin bereit, diesen gelegten Weg jetzt zu gehen.
Jetzt.
Keinen Tag später.
Keine Minute später.
Ich muss jetzt einfach los.
Laura.