Gemeinsam
Gruppenabend.
Frisch geduscht und mit meiner Tasse Tee betrete ich den Raum.
Ich bin die Letzte, die noch fehlt.
Und heute ist das erste Mal, dass ich am liebsten allein wäre.
Nur für mich.
Trotzdem warten sie auf mich.
Weil ich dazugehöre.
Auf dem Tisch liegen Süßigkeiten, Nüsse und ein Kartenspiel.
Aber Lust hat heute niemand.
Wir sind müde von dieser emotionalen Woche.
Jeder Kopf rattert.
Seit dem Aufstehen.
Den ganzen Tag.
Nur im Schlaf ist Stille.
Wir hören Musik.
Neun Menschen. Jeder mit seiner Geschichte.
Jeder mit seinen Gedanken.
Alle für sich – und trotzdem nicht allein.
Füße wippen im Takt. Finger klopfen leise am Stuhl.
Ich schaue in die Runde. Langsam. Bewusst.
Ein Lied.
Und plötzlich neun verschiedene Arten zu fühlen.
Die ersten Tränen rollen. Taschentücher wandern von Hand zu Hand.
Niemand erklärt etwas.
Niemand rechtfertigt sich.
Wir halten einfach diesen Moment.
Gemeinsam.
Still.
Sicher.
Ich sehe, dass eine Umarmung gebraucht wird, und gebe sie.
Wange an Wange sitze ich hinter ihr und halte sie fest.
Und sie mich.
Sie schluckt und schluckt – und ich habe den Knopf für die Tränen gefunden, die raus müssen.
Fast zwei Stunden sitzen wir so.
Wir lachen. Wir machen Witze.
Und wir sind dankbar, dass wir nicht allein durch diesen Tag müssen.
So viel Vertrauen.
So viele Charaktere.
So viel Besonderheit in einem Raum.
Ich vermisse dieses „Einfach nur halten“ schon jetzt für „draußen“.
Vielleicht ziehe ich hier einfach ein.
Laura.