Reset

10 Tage sind vergangen, seit ich mein Zuhause verlassen und ein Bett auf Station 22 bezogen habe.
Diese 10 Tage fühlten sich an wie ein Tornado meiner Gefühle.
Kein Entkommen.
Nur ich, meine Gedanken, mein Chaos.
Ordnen. Sortieren. Verstehen. Sacken lassen.

In diesen 10 Tagen habe ich etwas gespürt, das ich 4 Monate lang Zuhause nicht gefunden habe: Da brennt etwas in mir.
Bunt. Laut. Lebendig.
Und am Ende ist das einfach Laura.
Nicht nur ein Gefühl.
Nicht nur eine Episode.
Ich.

Seit 10 Tagen werde ich gesehen.
Wirklich gesehen.
Ich werde gehalten, wenn ich falle.
Mir werden Taschentücher gereicht, wenn mir die Worte fehlen und die Tränen nur so kullern.
Ich werde nicht als Rolle wahrgenommen.
Nicht als Partnerin.
Nicht als Mutter.
Nicht als Mitarbeiterin.
Sondern als Mensch.
Als Frau.
Als Laura.

Umarmungen von Fremden können ehrlicher sein als vieles, was man im Leben kennt.
Nicht dieses kurze, höfliche Drücken.
Sondern ein Halten. Ein echtes Halten.
Den Gegenüber bewusst wahrnehmen.
Seinen Körper, die Atmung. Die Wärme der Haut.
Du glaubst nicht, was das mit einem Menschen machen kann.
Da entsteht ein Gefühl von Wärme und Sicherheit.
Ein leises: „Du kannst dich fallen lassen.“
Bei jemandem, der dich erst seit 10 Tagen kennt … dem du aber keinen Smalltalk aufdrückst. Du gehst in die Tiefe. Nicht nur ein paar Zentimeter.
Du gehst so tief, dass dir manchmal die Luft wegbleibt.

Du erschrickst über Dinge, die du aussprichst.
Über Handlungen, die du dir nie zugetraut hättest.
Du lernst dich kennen.
Neu.
Anders.
Aber bewusst.

Ich lerne mich kennen, ohne Rollen, ohne Erwartungen, ohne Masken.
Ich lerne die Laura kennen, die weint, wenn sie berührt wird.
Die lacht, wenn sie sich sicher fühlt.
Die zittert, wenn sie ehrlich ist.
Die lebt, wenn sie gesehen wird.

Ich bleibe noch mindestens 7 Wochen.
Und ja — es war die mutigste Entscheidung meines Lebens.
Aber vor allem war es die ehrlichste mir selbst gegenüber.
Ich bin dankbar, dass ich diese Chance bekomme.
Dankbar, dass ich mich wiederfinde.
Dankbar, dass ich fühle.

Laura.